Das Ziel, den Zuckerkonsum - insbesondere bei Kindern und Jugendlichen - zu senken, unterstützen beide Verbände ausdrücklich. Eine zusätzliche Abgabe ist dafür jedoch das falsche Instrument: Sie schafft neue Bürokratie, belastet Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Betriebe und zeigt nach bisherigen Erfahrungen keine verlässlich nachweisbaren Effekte auf Übergewicht und Adipositas. RLV und RRV fordern die Bundesregierung auf, die Pläne zu stoppen und stattdessen wirksame Prävention - etwa Ernährungsbildung uns Sportangebote - für Kinder und Jugendliche konsequent auszubauen.
Hintergrund der Debatte ist eine Abgabe auf stark gezuckerte Getränke im Zuge der Reform der gesetzlichen Krankenkassen. Befürworter verweisen auf steigende Zahlen von Übergewicht und Adipositas bei Kindern. Internationale Erfahrungen mit ähnlichen Strafabgaben zeigen jedoch, dass die gesundheitlichen Effekte häufig gering, uneinheitlich oder statistisch kaum belastbar sind. Aus Sicht von RLV und RRV ist es daher nicht verantwortbar, dafür dauerhaft ein Steuer- und Kontrollregime mit zusätzlichen Verwaltungskosten aufzubauen.
"Eine Zuckerabgabe suggeriert Handlungsfähigkeit, löst das Problem aber nicht. Wir brauchen keine neue Abgabe, sondern bessere Gesundheitskompetenz: verbindliche Ernährungsbildung, mehr Bewegung im Alltag und gesunde, bezahlbare Ernährungsstandards in Kitas und Schulen. Wer jetzt eine Steuer einführt, verlagert Verantwortung in die Geldbörsen der Menschen statt in wirksame Prävention", erklärt der RLV.
"Zucker ist ein Grundnahrungsmittel und darf nicht in eine Reihe mit Genussmitteln wie Tabak oder Alkohol gestellt werden. Wer die Debatte über eine insgesamt zu hohe Kalorienaufnahme in der Bevölkerung auf ein einzelnes Produktsegment verengt, greift zu kurz und lenkt vom eigentlichen Handlungsbedarf ab. Auch zeigen internationale Erfahrungen, etwa aus Großbritannien, dass dieses Instrument den politischen Anspruch, Übergewicht spürbar zu reduzieren, nicht erfüllt," betont der RRV.
RLV und RRV setzen stattdessen auf einen wirksamen Maßnahmenmix: Ausbau von Ernährungsbildung und Verbraucheraufklärung, bessere Verpflegungsstandards in öffentlichen Einrichtungen, Förderung täglicher Bewegung sowie praxistaugliche, freiwillige Reformulierungsziele in der Lebensmittelwirtschaft. Für diesen Weg stehen die Verbände für einen konstruktiven Dialog mit Politik, Krankenkassen, Wissenschaft, Handel und Herstellern bereit. Eine Zuckerabgabe gehört aus Sicht von RLV und RRV jedoch nicht dazu.
