Verantwortungsvoller Umgang mit der Cruiser-Notfallzulassung im Rheinland

Datum des Artikels Donnerstag, 14.01.2021

Bis zum 31. Dezember hatten die rheinischen Rübenanbauer die Möglichkeit, Saatgut aus der Hauptbestellung für den Anbau 2021 noch auf die neonicotinoide Rübenbeize Cruiser 600 FS umzubestellen. Die Umbestellung war aufgrund der Cruiser-Notfallzulassungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz möglich geworden.

Den Notfallzulassungen ging eine massive Befallsausbreitung mit viröser Rübenvergilbung im rheinischen Anbaugebiet voraus. Zu kontrollieren ist diese Krankheit derzeit nur über die Bekämpfung der Virus-übertragenden grünen Blattläuse.

Zu rund 63 % wurde seitens der rheinischen Rübenanbauer von der Möglichkeit zum Saatguttausch Gebrauch gemacht. Der Vorsitzende des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RRV) Bernhard Conzen führt dies auf die mit der Notfallzulassung einhergehenden Anwendungsauflagen und deren zügige Kommunikation zurück. “Alle Beteiligten d.h. Amtlicher Dienst, Zuckerfabriken und natürlich wir als Anbauerverband haben die Rübenanbauer schnellstmöglich über die zu erwartenden Anwendungsauflagen informiert. Die Tatsache, dass nun für rund 37 % der Anbaufläche kein Cruiser-gebeiztes Saatgut bestellt wurde, belegt sowohl die hohen ökologischen Anforderungen, die an den Einsatz der Cruiser-Beize geknüpft werden als auch den verantwortungsbewussten Umgang der Rübenanbauer mit dem Thema“, so der RRV-Vorsitzende.

Auf den verbleibenden rund 37 % der Flächen wird nun Rübensaatgut ohne neonicotinoiden Schutz vor Blattlausbefall eingesetzt. Bernhard Conzen: „Hier werden die Anbauer wie im vergangenen Jahr auf Grundlage des Schadschwellenkonzepts die virusübertragenden Blattläuse bestmöglich mit Flächenapplikationen zugelassener Insektizide bekämpfen. Wir wissen aber, dass aufgrund des permanenten Läusezuflugs im Frühjahr hierüber kein ausreichender Schutz vor der Vergilbungskrankheit zu erzielen ist. Die Cruiser-gebeizten Parzellen reduzieren aber hoffentlich den Gesamtbefallsdruck erheblich und erzeugen für die übrigen Rübenflächen so etwas wie Herdenimmunität“.

Im abgelaufenen Anbaujahr wiesen rund 90 % der Rübenparzellen im Rheinland Befall mit viröser Vergilbung auf. Die Befallsstärke schwankte von 1 % bis über 50 %. Der Ertragsverlust unter Befall betrug durchschnittlich 34 %. „Befallsflächen ermöglichen keinen wirtschaftlichen Rübenanbau mehr. Die von Phytopathologen prognostizierte nochmalige Befallsausweitung in 2021 wäre für den rheinischen Rübenanbau zu einer Existenzfrage geworden“ resümiert Bernhard Conzen. „Dass man in der vor kurzem abgeschlossenen Rübenkampagne 2020/21 bei einem Ertrag von rund 75 t/ha im Mittel noch mit einem blauen Auge davon kam darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bereits massive Ertragsausfälle gab. Die Ertragsspanne beginnt infolge von Vergilbung und Trockenheit bei 25 t/ha und reicht auf Gunststandorten bis über 100 t/ha. Bereits in 2020 ist die Zahl der rheinischen Rübenanbauer gegenüber dem Vorjahr um 20 % zurückgegangen. Diese Entwicklung muss dringend gestoppt werden, um den so wichtigen heimischen Rübenanbau zu erhalten.“

Bonn, den 14. Januar 2021